Am Tisch beim „Digitalen Beratungsgremium für den Zierpflanzenanbau“ Im Gespräch mit: Marcel van der Lugt (Vorsitzender des Mitgliederrats)
13. Juli 2026
Der Zierpflanzensektor steht vor einer klaren Herausforderung: Wie sorgen wir gemeinsam für eine zukunftssichere, bezahlbare und skalierbare Branche, in der Gärtner, Käufer und Logistikpartner weiterhin effizient zusammenarbeiten können? Die Digitalisierung ist dabei eine wesentliche Voraussetzung. Im „Digitalen Beratungsgremium für den Zierpflanzenanbau“ geben Gärtner, Käufer und Royal FloraHolland gemeinsam die Richtung für die digitale Entwicklung der Branche vor. Es werden Themen besprochen, Prioritäten festgelegt und das Tempo bei der weiteren Digitalisierung und Innovation der Branche wird beibehalten.
Bei der Beratung am 24. Juni wurden unter anderem die praktischen Erfahrungen von Hamiplant mit Floriday, die Fortschritte bei der digitalen Bestellung, neue Entwicklungen bei Floriday wie Tagespreise und dynamische Preise sowie Track & Trace thematisiert. Im Gespräch mit Marcel van der Lugt, Vorsitzender des Mitgliederrats und Inhaber von Lugt Lisianthus.
Marcel, warum ist diese Beratung für die Branche wichtig?
„Diese Beratung ist wichtig, weil wir hier mit Gärtnern, Käufern und Royal FloraHolland über Themen sprechen, die die gesamte Branche betreffen. Die Digitalisierung ist kein isoliertes IT-Thema mehr. Es geht darum, wie wir weiterhin gemeinsam handeln, liefern, planen und abrechnen. Wenn wir das intelligenter und eindeutiger organisieren, bleibt die Lieferkette für alle bezahlbar und praktikabel.“
„Die Stärke dieser Beratung liegt darin, dass Praxis und Strategie hier zusammenkommen. Wir besprechen nicht nur, was technisch möglich ist, sondern vor allem auch, was das für den täglichen Betrieb von Gärtnern und Käufern bedeutet. Genau diese Kombination ist nötig, um die Digitalisierung wirklich voranzubringen.“
Ein wichtiger Teil der Beratung war das Update von Hamiplant. Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
„Das Update von Hamiplant hat ganz konkret gezeigt, was Digitalisierung in der Praxis bewirken kann. Floriday ist dort kein eigenständiges System, sondern ein fester Bestandteil des täglichen Betriebs. Hamiplant nutzt Floriday als zentrale Quelle für das Angebot, Bestellanfragen und Lieferanteninformationen. Hamiplant zeigt, dass Digitalisierung wirklich Skaleneffekte bringen kann.“
„Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass auch die andere Seite angesprochen wurde. Die Digitalisierung funktioniert nur dann richtig, wenn die gesamte Kette auf ähnliche Weise funktioniert. Wenn Lieferanten ihre Angebote nicht über Floriday einstellen, bedeutet das direkt zusätzlichen Aufwand. Und wenn Vereinbarungen zu Lieferbedingungen, Stornierungen oder Änderungen nicht überall eindeutig sind, bleibt immer noch viel manuelle Abstimmung nötig.“
Was sagt das über die Phase aus, in der sich Floriday und die Branche gerade befinden?
„Wir kommen immer mehr in eine Phase, in der es nicht mehr nur darum geht, Floriday aufzubauen, sondern vor allem darum, es zu nutzen. Die Zahlen zeigen, dass sich der Trend fortsetzt, aber auch, dass es Unterschiede zwischen den Produktgruppen gibt. Bei Pflanzen ist die digitale Bestellung über Floriday bereits weiter fortgeschritten als bei Blumen. Gleichzeitig sehen wir im Blumensektor Wachstum und positive erste Ergebnisse aus dem Produktgruppenansatz, zum Beispiel bei Lisianthus, Gerbera und Chrysanthemen.“
„Das ist ermutigend, zeigt aber auch, dass wir weiterhin zielgerichtet arbeiten müssen. Nicht jede Produktgruppe verhält sich gleich, und nicht jeder Handelsstrom stellt die gleichen Anforderungen. Deshalb ist es gut, dass geprüft wird, was pro Produktgruppe nötig ist, um weiter zu skalieren.“
Neue Funktionen wie Tagespreise und dynamische Preise wurden besprochen. Was bedeuten diese Entwicklungen?
„Tagespreise und dynamische Preise zeigen, dass sich Floriday als digitaler Marktplatz weiterentwickelt. Mit Tagespreisen fällt es Schnittblumenzüchtern leichter, ihr Angebot täglich auf dem neuesten Stand zu halten. Dynamische Preise gehen noch einen Schritt weiter, da sich die Preise auf der Grundlage von Marktinformationen und Leistungen anpassen können.“
Auch Track & Trace war ein wichtiges Thema. Was war dort der Kern der Diskussion?
„Track & Trace spricht eine ganz typische Frage in der Lieferkette an: Wo ist meine Bestellung und wann wird sie geliefert? Mehr Einblick kann sehr wertvoll sein, vor allem, wenn etwas anders läuft als geplant oder nicht nach Zeitplan verläuft. In Floriday werden deshalb Maßnahmen ergriffen, um logistische Informationen besser sichtbar zu machen.“
Auch Cybersicherheit und die Zwei-Faktor-Authentifizierung wurden angesprochen. Warum gehört das in diese Beratung?
„Je mehr Prozesse digital ablaufen, desto wichtiger wird automatisch die digitale Sicherheit. Da geht es nicht nur um Systeme, sondern auch um Vertrauen. Gärtner und Käufer müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Daten sicher sind und der Zugriff auf die Systeme ordnungsgemäß geregelt ist. Und dabei können auch Gärtner und Käufer selbst einen Beitrag leisten. Wir arbeiten daran, die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei der Anmeldung bei Floriday immer weiter auszubauen. Diese ist bereits auf Floriday verfügbar, und immer mehr Gärtner und Käufer nutzen sie. Wir arbeiten darauf hin, dies für alle Nutzer verbindlich vorzuschreiben, um die Cybersicherheit zu verbessern.“
Floriday setzt auf eine benutzerfreundliche Lösung mit einer App und Push-Benachrichtigungen, damit Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit so gut wie möglich Hand in Hand gehen. Die Einführung erfolgt schrittweise, begleitet von Tests und Informationen für die Nutzer.“
Was bedeutet der neue Name „Digitales Beratungsgremium für den Zierpflanzenanbau“ für Sie?
„Der neue Name macht deutlicher, worum es bei dieser Beratung geht. „Branchenplattform-Gespräch“ war ziemlich weit gefasst und abstrakt. Mit dem Namen „Digitales Beratungsgremium für den Zierpflanzenanbau“ machen wir deutlicher: Hier geht es um die digitale Entwicklung unserer Branche und um die Entscheidungen, die wir dabei gemeinsam treffen müssen.“
Was nehmen Sie vor allem aus diesem Gespräch mit?
„Für mich ist der rote Faden, dass wir als Branche in einer neuen Phase sind. Wir haben inzwischen schon viele digitale Bausteine errichtet. Die Herausforderung besteht nun darin, diese sinnvoll zu nutzen, aufeinander abzustimmen und in der gesamten Branche wirken zu lassen.“
„Das erfordert Standardisierung, klare Vereinbarungen und eine gemeinsame Steuerung. Aber wir müssen auch auf die Praxis hören. Was für einen großen API-Nutzer funktioniert, muss nicht automatisch für jeden Gärtner oder Käufer funktionieren. Und umgekehrt: Was für Bildschirmnutzer funktioniert, funktioniert nicht immer auch für API-Nutzer. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Austausch verschiedene Perspektiven zusammenbringt.“
Teilnehmer des Digitalen Beratungsgremiums für den Zierpflanzenanbau: Frank Koenen (FM Group), Hans van der Plas (Van der Plas Group), Huib Kranendonk (Royal Lemkes), Matthijs Mesken (VGB), Marcel van der Lugt (Lugt Lisianthus & RFH-Mitgliederrat), Walter Arts (Florius Flowers & FPC RFH), Henk de Jong (The Orchid Growers & Plantform), Martin de Ruiter, Pieter Bootsma, André van der Linden, Marcel van der Ende (RFH).
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