Tulpenvan Sam

Sam Ruijter erzeugt seine Tulpen so „grün” wie möglich. Bei einem kritischen Blick auf die Umweltbelastung und die Umwelteffekte wird schnell klar, wo der Produktionsprozess von der Zwiebel bis zur Tulpe verbessert werden kann. Die gute Nachricht: „Um klimaneutral zu arbeiten, braucht man keine Mega-Investition.”

Er ist weltweit der erste Anbieter CO2-neutraler* Tulpen. Der Gärtnereibetrieb von Sam Ruijter arbeitet ständig daran, noch „grüner” zu werden und Energie und Rohstoffe so zirkulär wie möglich zu nutzen. Dafür bietet der Produktionsprozess von der Zwiebel bis zur Tulpe noch viel Potential.

Tulpen van Sam ist ein Blumenzwiebelanbau- und -zuchtbetrieb mit Sitz in Slootdorp (Provinz Nord-Holland). Sam Ruijter und sein Team erzeugen hier Tulpen, verteilt auf mehr als vierzig Hektar Blumenzwiebelfelder und ein Gewächshaus. Pro Jahr verkauft er ca. 18 Mio. Tulpen. Sein Großvater hat den Betrieb 1942 gegründet, und seit 2015 führt Ruijter Bloembollen die Untermarke Tulpen van Sam. „Ich möchte ein Beispiel geben und andere inspirieren, Energie und Rohstoffe möglichst zirkulär zu nutzen. Das Ergebnis? Ein möglichst niedriger CO2-Footprint. Dass ich der erste Anbieter klimaneutraler* Tulpen bin, hat momentan einen marketingtechnischen Vorteil. Ein nettes Extra, aber der eigentliche Gewinner ist das Klima.”

Interesse aus dem Markt

Aus Sorge um die Welt befasst er sich schon seit über fünf Jahren damit, seinen CO2-Footprint zu messen und zu reduzieren. „Ich nehme das Klimaproblem sehr ernst. Außerdem macht es mir auch Spaß, mich damit zu beschäftigen. Ich interessiere mich für das Klima, bin Naturliebhaber und Technik fasziniert mich.” Dass er regelmäßig mit seiner Nachhaltigkeitsstory in den Medien auftaucht, sichert seinen Tulpen mehr Aufmerksamkeit. „Dadurch ist ein festes Netz von Abnehmern entstanden, die damit etwas anfangen können. Da ich der erste bin, der klimaneutrale* Tulpen anbaut, bekomme ich viele Fragen und Reaktionen. Der Blumengroßhandel orientiert sich noch, seine Abnehmer sind aber sehr interessiert. Ich hoffe, dass der Handel das Thema aufgreift, damit wirklich anders und umweltfreundlicher gearbeitet wird.”

Der CO2-Footprint

Sam berichtet gerne, wie er es geschafft hat, nachhaltiger zu produzieren. „Man beginnt mit der Berechnung seines CO2-Footprints. Das kann auch eine Agentur erledigen, die einem danach eine Empfehlung gibt. Von da aus sieht man sich dann um: Was kann ich tun, um meine Werte zu senken? Aber oft weiß man schon, wo der Schwerpunkt liegt. Bei uns war der Erdgasverbrauch mit etwa 80 % am höchsten. Den haben wir jetzt auf die Hälfte reduziert. Wir haben eine Wärmepumpe installiert, die die andere Hälfte des Wärmebedarfs liefert. Die Heizkessel schalten wir nur noch in der Spitzenzeit ein. Wir wollen die Wärmepumpenleistung noch weiter ausbauen. Das steht in der Planung für die Zukunft.” Erschrocken war er, wie viel Energie das Beregnen der Tulpen auf den Feldern verbrauchte. „Nun ja, diese Anlage läuft mit Diesel. Durch die Berechnung des CO2-Footprints wird einem klar, worauf man den Fokus legen muss. Wir entwickeln daher jetzt etwas Neues für die Beregnungsanlage.”

Kompensieren

Er sieht es als Herausforderung: ständig zu schauen, was man noch tun kann, um den CO2-Aussstoß weiter zu reduzieren. „Man kann dann sofort etwas unternehmen und sehen, wie der CO2-Ausstoß jedes Jahr sinkt.” Sam hat sicher noch ein paar Jahre Arbeit vor sich, um immer weniger CO2-Ausstoß zu verursachen. Zum Beispiel sollen seine Traktoren in Zukunft mit Wasserstoff fahren. Aber Sam sagt auch, dass es nicht möglich ist, den CO2-Footprint auf Null zu reduzieren. Auch wenn man gar kein Erdgas mehr einsetzt und nur noch Ökostrom bezieht. „Man muss zum Arbeitsort pendeln, man braucht Dünger, hat Verpackungsmaterial - deshalb kompensieren wir jetzt. Theoretisch kann man auch mit fossilen Brennstoffen CO2-neutral sein, wenn man nur genug kompensiert. Aber das macht natürlich keinen Sinn.”

Die Kompensation erfolgt durch das Pflanzen von Bäumen. Sam macht das über die Black Jaguar Foundation. Diese niederländische Organisation realisiert eine riesige Anpflanzung von Bäumen im Amazonasgebiet von Brasilien. Das soll einmal der längste Naturkorridor der Welt werden. „Wenn man verantwortlich arbeitet, muss man gar nicht so viel kompensieren”, sagt Sam. „Ich habe schon mit dem reduzierten Verbrauch chemischer Mittel viel gewonnen. Der Versuch, die Pflanzen auf natürliche Weise gesund zu erhalten, ist die größte Herausforderung.”

Gesetzliche Anforderungen

Natürlich haben die Tulpen von Sam auch die üblichen Zertifikate (MPS A+ und GLOBALG.A.P.). „Die Supermärkte verlangen zunehmend ein Umweltzertifikat, also sind wir vor fünf Jahren diesen Schritt gegangen. Ich meine aber, dass das der Welt nicht so viel bringt. Auch wenn alle Erzeuger ein Umweltzertifikat haben, verändert sich für die Umwelt nicht viel. Den eigenen Verbrauch zu kennen, ist einfach eine gesetzliche Anforderung, die man schon heute erfüllen muss. Der einzige Vorteil ist, dass man seine Abläufe organisieren und alles registrieren muss, was verwendet und verbraucht wird. Das ist die Basis, um anschließend eine zuverlässige Berechnung des CO2-Footprint machen zu können. Die Berechnung allein macht es nicht umweltfreundlicher, aber sie sensibilisiert.”

Zeigen, dass es auch anders geht

Sein Traum für die Zukunft ist, dass die gesamte niederländische Zierpflanzenbranche CO2-neutral wird. „Ein Strauß frischer Schnittblumen ist natürlich ein Luxusprodukt. Die Leute kaufen es, weil sie die Natur lieben, aber dem Planeten geht es dadurch schlechter. Ich bin Teil dieses Problems. Das ist mir bewusst. Aber ich bin auch Teil der Lösung. Dieses Problem bleibt aber weiter existent. Jeder kann auf seine Weise zeigen, dass es auch anders geht. Ob groß oder sehr klein, das spielt keine Rolle. Ich möchte andere inspirieren und hoffe, dass sie auf ihre Weise einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, wenn sie von meinen Erfahrungen hören.”

* Royal FloraHolland ist sich bewusst, dass der Begriff CO2-neutral die Frage aufwerfen kann: Wer hat das definiert? Lesen Sie mehr über die Beteiligung von Royal FloraHolland an dem Projekt FloriPEF - der Erarbeitung europäischer Regeln zur Berechnung des Umwelt-Footprints von Zierpflanzen. Diese Regeln sollen 2023 erlassen werden und für Klarheit, Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit bei der Footprint-Berechnung sorgen.

Verwandte Nachrichten