Marcel van der Lugt über Einfluss, Vertrauen und die Zukunft des Mitgliederrat
20. August 2026
Vor anderthalb Jahren wurde Marcel van der Lugt zum Vorsitzenden des Mitgliederrats von Royal FloraHolland ernannt. Mittlerweile hat er die Hälfte seiner dreijährigen Amtszeit hinter sich. Ein guter Zeitpunkt, um auf die Entwicklung des Mitgliederrats, die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung und dem Aufsichtsrat sowie auf die derzeit anstehenden Themen zurückzublicken. Vor allem aber auch, um nach vorne zu schauen: Was möchte er in den kommenden anderthalb Jahren noch erreichen?
Vom Operativen zum Strategischen
Als Marcel sein Amt als Vorsitzender antrat, hatte er ein klares Ziel vor Augen: den Mitgliederrat weiter zu professionalisieren und ihm eine stärkere Position innerhalb der Kooperative zu verschaffen. Seiner Meinung nach wurden dabei große Fortschritte erzielt. „Früher ging es häufiger um operative Angelegenheiten. Natürlich sind das Themen, die für die Mitglieder wichtig sind, aber als Mitgliederrat müssen wir auch die strategische Zukunft der Kooperative im Blick behalten. Gerade hier haben wir große Fortschritte gemacht.“ Der Mitgliederrat bringt sich heute stärker in Themen ein, die für die Zukunft von Royal FloraHolland entscheidend sind, wie die Hub-Strategie, die digitale Auktion und das überarbeitete Tarifsystem.
Zudem stellt Marcel fest, dass sich die Zusammenarbeit innerhalb des Mitgliederrats selbst verändert hat. „Wir sprechen mittlerweile viel mehr mit einer Stimme. Das bedeutet nicht, dass alle immer derselben Meinung sind, aber schon, dass wir zuerst untereinander diskutieren, bevor wir gegenüber der Geschäftsleitung Stellung beziehen. Wenn wir als Mitgliederrat fünf verschiedene Dinge sagen, kann sich jeder herauspicken, was ihm passt. Dann hat man weniger Durchschlagskraft.“
Laut Marcel hat dieser Ansatz dazu geführt, dass der Mitgliederrat ernster genommen wird. „Wir werden stärker einbezogen und mehr gehört. Das war eines meiner Ziele, als ich angefangen habe.“
Überrascht von der Offenheit
Eine der größten Überraschungen während seiner Amtszeit als Vorsitzender war für Marcel die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung und dem Aufsichtsrat.
„Man hört uns wirklich zu. Das bedeutet nicht, dass wir immer einer Meinung sind, aber man kann seine Meinung einbringen, und diese wird ernsthaft geprüft.“
Als Beispiel nennt er die Diskussionen über die Zertifizierung, ein Thema, das in den letzten Jahren unter den Gärtnern für viel Aufsehen gesorgt hat.
„Wir haben darüber ziemlich intensiv miteinander gesprochen. Gerade dann merkt man, wie wichtig es ist, dass man als Mitgliederrat mit am Tisch sitzt. Man muss nicht in allem einer Meinung sein, aber man muss Einfluss auf die getroffenen Entscheidungen nehmen können.“
Dieser Einfluss besteht seiner Meinung nach nicht nur darin, Ratschläge zu geben, sondern auch darin, die Diskussion auf Kurs zu halten.
„Wir sind gegenüber der Geschäftsleitung klarer geworden, und dadurch ist auch die Geschäftsleitung uns gegenüber klarer geworden.“
Nah am Puls der Mitglieder
Laut Marcel beginnt eine gute Vertretung damit, zu wissen, was bei den Mitgliedern vor sich geht. Und genau darin liegt seiner Meinung nach noch eine wichtige Herausforderung: Royal FloraHolland hat rund 3.000 Mitglieder, aber relativ wenige Mitglieder suchen aktiv den Kontakt zum Mitgliederrat. „Das überrascht mich manchmal. Ich bekomme wirklich nicht täglich Anrufe. Dabei denke ich: Wenn etwas los ist, lasst es uns wissen.“
Deshalb setzt der Mitgliederrat zunehmend auf den Dialog mit den Mitgliedern durch Kantinenrunden, Mitgliedersitzungen und Gespräche mit den Gärtnern an den verschiedenen Standorten. „Vertrauen baut man nicht in ein oder zwei Jahren auf. Man muss zeigen, dass man für die Mitglieder da ist, dass man die gleichen Interessen hat und auch einfach ein Unternehmer ist.“ Laut Marcel spielt der Mitgliederrat auch eine wichtige Rolle als Vermittler und Übersetzer. „Manchmal machen sich die Leute Sorgen um etwas, das eigentlich ganz einfach zu erklären ist. Aber dafür muss man miteinander im Gespräch sein. Fehlt dieses Gespräch, entstehen schnell Vermutungen und Missverständnisse.“
„Es ist nur gut, wenn Mitglieder sich an uns wenden. Dann wissen wir besser, was los ist, und können besser erklären, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und welchen Einfluss der Mitgliederrat darauf hat.“
Die großen Themen der Gegenwart
Der Mitgliederrat befasst sich derzeit mit einer Reihe wichtiger Themen, die die Zukunft der Kooperative unmittelbar betreffen.
Eines davon ist die Hub-Strategie. Dabei geht es um die Zukunft der verschiedenen logistischen Hubs von Royal FloraHolland.
„Die Mitglieder haben dazu verständlicherweise Fragen. Was bedeutet das für meinen Standort? Was bedeutet das für die Logistik? Wir leiten diese Anliegen weiter und sorgen dafür, dass sie in die Diskussion einfließen.“ Auch beim Thema digitale Uhr bringt sich der Mitgliederrat aktiv ein. „Die Einführung selbst muss erfolgen, aber wir betrachten vor allem die Auswirkungen auf die Mitglieder. Wenn uns ein Gärtner mit Fragen anruft, müssen wir wissen, was gerade vor sich geht.“
Darüber hinaus spielte der Mitgliederrat eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung des überarbeiteten Tarifsystems. „Wir haben stets geprüft, wo die Probleme für die Mitglieder liegen. Was ist logisch, was lässt sich erklären und wo muss nachjustiert werden? Darauf wurde wirklich gehört. Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis eine ausgewogene Lösung dafür ist, wie wir die Kooperative bezahlbar halten.“
„Es geht vor allem darum, den Verein zusammenzuhalten. Wenn Mitglieder abspringen, werden letztendlich alle schwächer.“
Eine starke Kooperative beginnt mit Vertrauen
Im Laufe des Gesprächs kommt Marcel mehrmals auf dasselbe Thema zurück: Vertrauen. Seiner Meinung nach wird manchmal vergessen, dass Royal FloraHolland letztendlich den Mitgliedern selbst gehört. „Als ich Vorsitzender wurde, hörte ich regelmäßig: Das Unternehmen macht, was es will. Aber letztendlich ist es unser Unternehmen. Die Menschen, die dort arbeiten, geben ihr Bestes, um es für die Mitglieder so gut wie möglich zu machen.“
Das erfordert seiner Meinung nach auch etwas von den Mitgliedern selbst. „Wir können nur dann erwarten, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden, wenn wir auch die richtigen Signale senden. Das ist eine Verantwortung, die wir gemeinsam tragen.“
„Wir können nur dann das Beste aus dem Markt herausholen, wenn wir uns gegenseitig die richtigen Informationen geben. Das funktioniert in beide Richtungen.“
Blick in die Zukunft: noch sichtbarer und stärker
Obwohl Marcel zufrieden auf die vergangenen anderthalb Jahre zurückblickt, sieht er die aktuelle Phase vor allem als Zwischenschritt. In der kommenden Zeit möchte er weiter an einem Mitgliederrat arbeiten, der noch professioneller agiert, noch besser weiß, was unter den Mitgliedern vor sich geht, und seine Rolle innerhalb der Kooperative noch entschlossener wahrnimmt.
Ein wichtiges Hilfsmittel dabei ist eine innerhalb des Mitgliederrats durchgeführte Bewertung. Damit wird untersucht, welches Wissen und welche Qualitäten vorhanden sind und wo noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
„Die Professionalisierung ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben große Fortschritte gemacht, aber wir können noch besser werden. Wir wollen gegenüber dem Unternehmen noch klarer auftreten und gleichzeitig noch besser am Puls der Mitglieder bleiben.“
Für Marcel liegt die größte Herausforderung außerhalb des Sitzungssaals. „Es gibt etwa 3.000 Mitglieder mit großen Unterschieden hinsichtlich der Art ihrer Betriebe. Daher muss der Verbindung zur gesamten Mitgliederbasis kontinuierlich Aufmerksamkeit gewidmet werden. Darauf wollen wir uns in der kommenden Zeit noch stärker konzentrieren.“
„Vertrauen baut man nicht in ein oder zwei Jahren auf. Das muss man sich jedes Mal aufs Neue verdienen.“
Aufruf an die Mitglieder
Abschließend hat Marcel eine klare Botschaft an die Mitglieder.
Meldet euch.
Ob es nun um Bedenken, Ideen, Chancen oder Entwicklungen auf dem Markt geht: Der Mitgliederrat braucht diese Rückmeldungen, um einen guten Überblick über die aktuellen Themen zu behalten. „Je mehr Signale wir erhalten, desto besser können wir unsere Rolle erfüllen. Letztendlich sind wir dazu da, die Stimme der Mitglieder zu vertreten.“
Außerdem hofft Marcel, dass mehr Mitglieder über eine aktive Rolle im Mitgliederrat nachdenken. „Im Mitgliederrat hat man wirklich Einfluss. Aber um diesen Einfluss gut zu nutzen, brauchen wir engagierte Menschen, die mit über die Zukunft der Kooperative mitdenken wollen. Also bewirb dich für den Mitgliederrat.“
„Eine starke Kooperative beginnt nicht im Sitzungssaal. Sie beginnt bei den Mitgliedern, die mitdenken, sich einbringen und ihre Stimme erheben.“
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