Royal FloraHolland - Kritik führt zu besseren Ergebnissen, aber nur, wenn wir weiter gemeinsam handeln

15. April 2021
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In Kürze wird unser Mitgliederrat den Jahresabschluss besprechen. Der Aufsichtsrat hat das in der letzten Woche getan. Das ist immer eine gute Gelegenheit, zurück und zugleich nach vorne zu blicken. Aufsichtsratsvorsitzender Jack Goossens schrieb diese Kolumne.

Was wirklich ins Auge fällt ist, dass sich unsere Branche 2020 von ihrer besten Seite gezeigt hat. Durch unser gemeinsames Handeln ist es uns gelungen, den historisch harten Einschnitt im Frühjahr 2020 zu überwinden. Heute, knapp ein Jahr später, realisieren wir Rekordumsätze und erleben ein Frühjahr, wie es bisher keins gegeben hat.

Das zweite Halbjahr 2020 war dann Ausgangspunkt für die heftige Diskussion, die unsere Branche heute erschüttert. Die Parteien überziehen sich gegenseitig mit Statements, Fakten, Meinungen und Emotionen. Vieles davon ist nachvollziehbar und wahr, anderes mit Sicherheit nicht. Was wir derzeit wirklich vermissen ist die Gelegenheit, miteinander über den Stand in unserer Branche und unserer Genossenschaft zu reden. Früher konnte man zur Mitgliederversammlung gehen, wo man einer flammenden Rede Beifall spenden, über die markanten Figuren lachen und sich entsetzlich über den Unsinn ärgern konnte, den man dort nach eigener Meinung verkündete. Wenn man dann anschließend noch gemeinsam etwas getrunken hatte, fuhr man mit dem guten Gefühl nach Hause, dass nun alles gesagt worden ist, was gesagt werden musste. 2019 hatten wir stattdessen den Tag der Genossenschaft und viele regionale und internationale Mitgliedersitzungen, an denen man physisch teilnehmen und die Dinge im Dialog besprechen konnte. Wegen Corona ist das alles nicht mehr möglich. Das ist bedauerlich, denn es führt zu weniger echten Kontakten und weniger gegenseitigem Verständnis.

Zu viel auf einmal

Wir alle merken es: Die Umsetzung vieler Beschlüsse ist derzeit ins Stocken geraten. Jeder - ob Gärtner, Käufer oder Dienstleister - bekommt die Folgen davon zu spüren. Von der einen Maßnahme ist man vielleicht nicht so betroffen, während eine andere gerade sehr viel für einen bedeutet. Auch ich selbst als Gärtner merke das. Wir mussten unsere eigene Software an Floriday anpassen. Das bedeutet zunächst viel zusätzliche Arbeit, aber auf die Dauer spart man so auch viel Zeit. Wir waren früher stundenlang damit beschäftigt, diverse Listen aktuell zu halten und mussten die ständig überarbeiten. Das soll glücklicherweise bald Vergangenheit sein.

Die Art, der Umfang und auch das Tempo der Veränderungen hat eine große Gruppe von Mitgliedern dazu bewogen, eine Petition an den Mitgliederrat zu unterschreiben. Dies hat der Mitgliederrat zum Anlass genommen, sowohl die Unterzeichner als auch andere Mitglieder persönlich zu separaten Besprechungen einzuladen. Viele sind dem auch gefolgt. Der Mitgliederrat hat diese und frühere Hinweise aus dem Markt an den Vorstand weitergegeben, worauf eine Reihe von Maßnahmen getroffen wurde, die mehr Maßarbeit ermöglichen.

Die Strategie steht

Die Richtung der Veränderungen wird nicht angepasst. Die Strategie steht, denn ihre Gründe sind ja nicht verschwunden. Beispielsweise bleibt die Tatsache, dass RFH dem Ende des traditionellen Geschäftsmodells näher kommt. Da die Gärtner und Käufer immer öfter direkt handeln, laufen nur noch 40 % der über RFH abgesetzten Produktumsätze über die Uhr. Und das, obwohl RFH im Direkthandel derzeit noch relativ wenig wertschöpfende Dienstleistungen anbieten und daher auch nur wenig daran verdienen kann.

Das bedeutet, dass das Betriebsergebnis dann, wenn nichts geschieht, schnell ins Negative dreht und RFH in absehbarer Zeit in sehr ernste finanzielle Probleme gerät. Der Vorstand hat geprüft, was passieren muss, um zu einer landesweiten Versteigerung zu kommen und welche Möglichkeiten es gibt, neue rentable Dienstleistungen für den Direkthandel zu entwickeln.

Neue Chancen

Diese Einsichten sind nicht neu, und das gemeinsame Nachdenken über diese strukturellen Veränderungen hat schon vor Jahren mit den Mitgliedergesprächen über die "Neue Versteigerung" begonnen. Die Studien zur "Neuen Versteigerung" hatten bereits gezeigt, dass für RFH neue Geschäftschancen auf dem Gebiet der Logistik liegen. Die Logistik bildet ein zentrales und wesentliches Element der landesweiten Uhr. Die Logistik bietet daher die Möglichkeit, sowohl die Uhr zu stärken als auch neue Geschäftsmodelle für RFH zu schaffen. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Floriway spielt dabei eine zentrale Rolle. RFH wird selbst keine Transporte organisieren. Neben RFH soll in Zukunft ein Transportunternehmen stehen, das von erfahrenen Logistikern geführt wird. Und RFH ist einer der Gesellschafter.

Auch Floriday ist nicht vom Himmel gefallen. Die Zusammenarbeit mit FX, damals eine der führenden alternativen Plattformen für den Handel mit Pflanzen, hat Schritt für Schritt zu Floriday geführt. Die Schritte, mit denen Floriday dann umgesetzt wurde, haben sich als zu ehrgeizig herausgestellt. Inzwischen ist das Tempo angepasst worden.

Dialog und Gleichgewicht

Im Jahr 2018 haben die Mitglieder nach einem 2 Jahre dauernden Vorlaufprozess beschlossen, die Mitgliederversammlung wegfallen zu lassen und einen Mitgliederrat einzurichten. Das hatte Änderungen an der Satzung und den Richtlinien zur Folge, an denen die Mitglieder selbst mitgeschrieben haben. In sozialen Medien lese ich hierzu viele Meinungen. Fakt ist, dass der Mitgliederrat alle Befugnisse der alten Mitgliederversammlung hat, sowie zusätzlich das Recht, auf Wunsch oder ungefragt formelle Empfehlungen an den Vorstand zu erteilen.

In dem Dreieck zwischen (Mitglieder-)Eigentümern (Mitgliederrat), Geschäftsleitung (Vorstand) und Aufsichtsorgan (Aufsichtsrat) geht es um den Dialog. Es geht darum, dass man ständig auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht ist. Die Geschäftsleitung kann nicht viel beschließen, wenn das Aufsichtsorgan das nicht genehmigt. Und genehmigte Beschlüsse misslingen bei der Umsetzung, wenn der Eigentümer nicht damit einverstanden ist. Gute Beschlüsse können nur formuliert werden, wenn der Eigentümer wertvollen Input dafür an die Geschäftsleitung liefert.

Es geht hier nicht um Macht. Niemand hat das Recht, einer anderen Partei Anweisungen zu geben. Womit gesteuert werden kann, ist die Befugnis, Personen (erneut) in eine Funktion zu wählen oder eben nicht zu wählen. Das ist der Moment, wo man wirklich Verantwortung übernehmen kann und muss.

2014 hat auch eine Änderung bei unserer Aufsichtsstruktur stattgefunden. Ich selbst gehörte zu den Gärtnern, die vom Mitgliederbeirat in den Aufsichtsrat gewechselt sind. Eine neue Funktion mit einem anderen Verhältnis zu den Mitgliedern und zum Vorstand. Diese Funktion wirklich auszufüllen und das auf eine Weise, die zu unserer Genossenschaft passt, schafft man nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit und man kriegt ein paar Kratzer ab, aber am Ende schafft man es. Für den Mitgliederrat ist das nicht anders. Der Mitgliederrat ist auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, und das war nicht der Bummelzug von Hoorn nach Medemblik. Er ist erst eingestiegen, als die Genossenschaft sich schon voll in einem Veränderungsprozess befand. Corona hat dabei einige Dinge bestimmt nicht einfacher gemacht. Dennoch ist der Mitgliederrat seiner Funktion kontinuierlich besser gerecht geworden. Er wächst aber noch immer in sie hinein und hat den Ehrgeiz, das weiter zu tun.

Kritik an dem zu üben, was die Genossenschaft tut und lässt, ist eine gute Sache. Sie ist sogar notwendig, um alle bei der Stange zu halten. Die Vielzahl der Hinweise, die der Mitgliederrat eingeholt hat, hat dafür gesorgt, dass der Mitgliederrat besseren Input für das Unternehmen liefern konnte. Der Vorstand hat sich damit auseinandergesetzt, und nun gibt es Raum für die Mitglieder, die Strategie in unterschiedlichem Tempo mitzumachen. Auch wenn es immer noch nicht für jeden einfach ist, diese Änderungen durchzuführen.

Jetzt ist aber die Zeit gekommen, dies erneut und gemeinsam anzupacken. Eine Zweiteilung passt nicht zu uns als Genossenschaft. Es ist nun Zeit, gemeinsam weiterzugehen. Der Mitgliederrat mit seiner Branchenkenntnis versorgt dabei den Vorstand mit dem nötigen Input. Damit der Vorstand auf dieser Basis richtige Entscheidungen treffen und der Aufsichtsrat darauf achten kann, dass die Interessen aller Stakeholder berücksichtigt werden.