Royal FloraHolland - Kolumne vom Mitgliederrat: Was ist die Meinung der schweigenden Mehrheit?

8. April 2021
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Jetzt ist die Notbremse gezogen worden. Vor zwei Jahren habe ich mit neuem Schwung begonnen, beim Mitgliederrat mitzuarbeiten. Ich fand die Idee hervorragend, das Know-how der Gärtner mit der Professionalität des Unternehmens zu verbinden. Anfangs war es allerdings gewöhnungsbedürftig. Schließlich mussten wir zuerst noch in unsere Rolle hineinwachsen. Welche Stellung hatten wir in Bezug auf den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung? Und wie sorgen wir dafür, dass die Beiträge der Gärtner bei den Entscheidungen des Unternehmens berücksichtigt werden? Im zweiten Jahr ging es darum, sich weiterzuentwickeln und den Anforderungen gerecht zu werden. Und dann kam Corona.

Unsere Unternehmen, unser Marktplatz und die gesamte Branche fanden sich auf einmal in einer ungewöhnlichen Situation wieder. Vieles wurde plötzlich in Frage gestellt. Corona hat sowohl bei den Gärtnern selbst als auch bei unseren Kontakten untereinander Sand ins Getriebe gestreut. Früher sprachen wir drei Stunden lang in Sitzungen miteinander, die im wirklichen Leben stattfanden. Danach gab es auch informelle, persönliche Begegnungen. Wir aßen eine Kleinigkeit und konnten einander dabei ins Gesicht sehen. Diese Kontakte wurden jetzt schwierig, da alle Treffen nur noch online stattfinden durften.

Wenn die Anspannung wächst, kommt Unzufriedenheit auf

In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert. Die gesamte Zierpflanzenbranche befindet sich im Umbruch. Das kann man auch auf unserem Marktplatz beobachten. Hier kommen alle Parteien und Interessen zusammen. Doch diese Interessen stimmen eben nicht immer überein, und wenn die Anspannung wächst, kommt Unzufriedenheit auf. Genau das geschieht nun. Unsere Genossenschaft war ins Hintertreffen geraten. Wir setzen zurzeit alles daran, um den Rückstand aufzuholen, und legen dabei ein größeres Tempo an den Tag als gedacht. Das hat natürlich zu Gegenreaktionen geführt. Jetzt ist die Notbremse gezogen worden. Allerdings nicht von allen Mitgliedern. Nein, aber verschiedene Parteien haben eine Mitgliederpetition initiiert oder diese unterzeichnet. Gärtner, Käufer, Softwarelieferanten - jeder verfolgt seine eigenen Interessen.

Als Mitgliederrat stehen wir vor der Aufgabe, die Petition sorgfältig zu prüfen und mit den Mitgliedern einen fruchtbaren Dialog zu führen. Wir sind nun mit den Gärtnern, die die Petition unterzeichnet haben, im Gespräch. Wir wollten wissen, warum sie die Petition unterzeichnet haben. Was in ihren Augen das größte Problem darstellt. Und was im Mitgliederrat noch verbessert werden kann. Viele Gärtner waren an einem Gespräch interessiert. Darüber sind wir sehr froh. Denn wir sprechen lieber persönlich mit ihnen als durch eine formelle Petition oder über die Medien.

Die Sorgen, über die in den Gesprächen berichtet wird, verstehe ich durchaus. Es läuft längst nicht alles wie am Schnürchen. Sondern die Sorgen sind berechtigt. Für die Umweltregistrierung gibt es beispielsweise noch nicht genug Unterstützung, und Floriday ist auch noch nicht voll einsatzfähig. Das ging einfach alles zu schnell. Nachdem das Projekt in die Wege geleitet wurde, wird jetzt mit großem Engagement daran gearbeitet.

Unsere gemeinsame Zukunft vor Augen halten

Was ich aber auch erkannt habe, ist, dass Gärtner Unternehmer sind, die die Dinge am liebsten nach eigenem Gutdünken erledigen. Das gilt auch für mich. Aber wir haben uns nun mal alle miteinander für die Bildung einer Genossenschaft entschieden. Um gemeinsam stark zu sein. Daher müssen wir uns vor Augen halten, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben. Wie sorgen wir also als Gärtner dafür, dass wir in diesem dynamischen Markt auch künftig ein gutes Auskommen haben? Und dass unsere Kunden am liebsten über die Genossenschaft mit uns Geschäfte machen? Denn das ist im Interesse aller Mitglieder. Von großen und kleinen, jungen und alten. Es bedeutet aber auch, dass unsere Wünsche nicht immer erfüllt werden können.

Ab und zu ist es ganz schön schwierig, nicht nur an die eigenen Bedürfnisse zu denken, sondern auch an die von 4.000 anderen Erzeugern.

Rund 400 Erzeuger haben die Petition unterzeichnet, und diese haben wir zu einem Gespräch eingeladen. Bleiben allerdings noch 3.500 andere Mitglieder übrig, die nicht unterzeichnet haben. Und die möchten wir natürlich auch anhören!

Sondersitzung für Mitglieder, die nicht unterzeichnet haben

Am Montag, dem 12. April, haben wir daher eine zusätzliche Mitgliedersitzung angesetzt. Und zwar nur für Mitglieder, die die Petition nicht unterzeichnet haben. Was halten Sie von der Petition? Alle, die eine andere Meinung äußern wollen, haben hier Gelegenheit dazu. Damit erweisen Sie dem Mitgliederrat einen wertvollen Dienst.

Also: Haben Sie die Petition nicht unterschrieben, oder vertreten Sie eine andere Meinung? Dann melden Sie sich bitte an, und zwar per E-Mail an: ledenraad@royalfloraholland.com Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme am 12. April um 19.00 Uhr.

Job van Egmond,
Mitglied des Mitgliederrates von Royal FloraHolland