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Die Genossenschaft hat sich wieder einmal als springlebendig erwiesen. Denn wir konnten „wie in alten Zeiten“ miteinander diskutieren. Zwar nur am Bildschirm, aber damit können alle immer besser umgehen. Übung macht den Meister. So geht es auch dem Mitgliederrat, findet Jan Mantel, Mitinhaber der Mantel VOF und Mitglied im Mitgliederrat,

Läuft alles wie gewünscht nach zwei Jahren Mitgliederrat? Nein, natürlich nicht. Das sage ich hier ganz bewusst. Und das haben wir am 20. Mai auch gesehen. In der zusätzlichen Sitzung des Mitgliederrats haben Mitglieder ihre Sorgen geäußert. Ob wir als Mitgliederrat auch das gesamte Mitgliederspektrum vertreten würden. Ob wir nicht nur ein Spielball für Vorstand und Aufsichtsrat seien. Ob wir als Mitglieder denn noch etwas zu sagen hätten.

Um mit dem letzten Punkt zu beginnen: Mit der Einrichtung des Mitgliederrates hat sich der Einfluss der Mitglieder vergrößert. Davon bin ich überzeugt. Wenn ich an die frühere Zeit mit dem Beirat und der Mitgliederversammlung denke und vergleiche, wie viel Einfluss die Mitglieder damals hatten und heute haben, ist die Antwort für mich klar.

Während der Sitzung konnte man allerdings ein Phänomen beobachten, das auch bei den Mitgliederversammlungen häufig aufgetreten ist. Eine kleine Gruppe von Personen führte das Wort, und dann denkt man schnell, dass das die Meinung aller Mitglieder repräsentiert. Wenn man mit einer Sache nicht einverstanden ist, geht man eben schneller auf die Barrikaden als wenn man damit einverstanden ist. Das läuft heute auch immer mehr über die Presse und die sozialen Medien, und dann in scharfem Ton.

Und weil wir alle auch nur Menschen sind, passiert das natürlich auch im Mitgliederrat. Aber wenn man Zeit füreinander investiert, sich kennen lernt und aktiv alle Meinungen abholt, dann erhält man doch eine andere Diskussion, bei der auch weitere Aspekte des Themas beleuchtet werden. Daraus ergibt sich dann auch die Stärke unserer Vielfalt.

An dem persönlichen Beitrag von Arnoud zu der Frage, warum er als Mitglied des Mitgliederrates die Petition unterzeichnet hat, konnte man sehen, dass die Arbeit im Mitgliederrat schwierig ist. Wir müssen manchmal eine Abwägung zwischen unserer persönlichen Meinung und dem gemeinsamen Interesse treffen. Bei unseren Diskussionen kommen die persönlichen Meinungen natürlich auf den Tisch, und dadurch kann es in den Sitzungen durchaus Spannungen geben. Aber letztlich haben wir als Mitgliederrat ja den Auftrag von den Mitgliedern, dem Vorstand auf Wunsch und auch ungefragt Empfehlungen zu geben. Das versuchen wir kritisch, aber konstruktiv zu tun.

Haben wir als Mitglieder heute noch etwas zu sagen? Ja, natürlich. Die Kontrollrechte des Mitgliederrates ergeben sich aus den formalen Aufgaben, die wir von der Mitgliederversammlung übernommen haben, beispielsweise bei der Feststellung des Jahresabschlusses und der Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern. Mit diesen formalen Befugnissen kann der Mitgliederrat "beißen", wenn es nötig ist. Aber der Mehrwert und der wirkliche Einfluss des Mitgliederrates ergibt sich aus seiner beratenden Funktion und seiner Rolle als Hinweisgeber. Damit kann der Mitgliederrat "bellen".

Und tun wir das zur vollen Zufriedenheit der Mitglieder? Nun ja, dazu hatten einige Mitglieder schon ein paar Dinge anzumerken. Und seien wir ehrlich: Es gibt sicher Raum für Verbesserungen, dessen sind wir uns bewusst und wir arbeiten auch daran. Ein wesentlicher Punkt dabei ist: Man muss sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Als Mitgliederrat können und müssen wir nicht zu allem etwas sagen. Wenn alle Mitglieder im Mitgliederrat ihre eigenen Steckenpferde reiten, führt das zu nichts. Wir müssen eine Auswahl treffen, um den Interessen der Mitglieder so gut wie möglich zu dienen: womit sollen wir uns befassen, und womit nicht? Was wollen wir auf hohem Niveau erreichen? Darüber müssen wir diskutieren.

Und was wollen wir auf hohem Niveau erreichen? Die Genossenschaft zusammenhalten, das sehe ich als unseren wichtigsten Auftrag. Denn was uns trotz aller Unterschiede verbindet, ist die Stärke der Genossenschaft. Selbst der größte Gärtner ist relativ klein im Vergleich zu den Marktparteien, mit denen er zu tun hat. Der Handel, die Banken, die Regierung, die Supermärkte: das sind die wirklich großen Spieler. Wir brauchen uns gegenseitig und wir brauchen die Genossenschaft, unbedingt. Wir müssen miteinander sprechen, statt übereinander. Wir müssen füreinander einstehen, statt gegeneinander zu arbeiten.

Jan Mantel, Mitinhaber der Mantel VOF und Mitglied im Mitgliederrat

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