Interview mit Plantform, einem Pflanzenzüchter-Thinktank, zum Thema 100 % digital

6. April 2020
Floriday
Royal floraholland ronald grootscholten 2

Letzte Woche konnten wir einige Fragen an Ronald Grootscholten stellen, den Projektleiter von Plantform. Plantform ist ein Thinktank und eine Interessenvertretung von Gärtnerbetrieben, die in der Zierpflanzenbranche tätig sind. Bei diesem Interview stand das Thema 100 % digital im Mittelpunkt. Welche Rolle spielt Plantform bei dieser Transition? Was meint er zu dieser Änderung und welche Tipps hat er für Floriday? Lesen Sie hier das Interview!

Aus welchem Umfeld kommen Sie und welche Funktion nehmen Sie derzeit bei Plantform wahr?

"Ich bin einer der Gründer und Partner von Florpartners und leite verschiedene Projekte, darunter das 100 %-digital-Projekt für Plantform in Kooperation mit Royal FloraHolland und Floriday. Außerdem begleiten wir mit Florpartners andere Gärtnerverbände aus der Zierpflanzenbranche und dem Gemüseanbau, wie die Avalanche-Gruppe und Addenda. Wir kümmern uns um die gemeinsamen Interessen und Ziele und sorgen damit zugleich für die Strategiebildung, die Organisation und die Implementierung. Außerdem dürfen wir eine wichtige Rolle bei der Strategie- und Organisationsentwicklung für einige größere Einzelunternehmen spielen und sind Projektleiter bei komplexen Kooperationsverbänden, beispielsweise auf dem Gebiet der räumlichen Entwicklung."

Interessant! Und worin genau besteht die Verbindung zu 100 % digital?

"Die Plantform-Mitglieder erzeugen Topfpflanzen. Die Varianz und die Häufigkeit von Bestellungen nimmt bei diesen Betrieben immer weiter zu, während die Größe der Bestellungen abgenommen hat. Die Komplexität der Bestellkorrespondenz und ihrer Bearbeitung wird immer höher. Die Gärtner haben viele verschiedene Angebotszeilen, und deren Beherrschbarkeit stellt eine immer größere Herausforderung dar. FloraXchange wurde übernommen und Floriday wurde vorgestellt. Die Digitalisierung ist und bleibt ein Muss gerade wegen dieser kleinen Bestellungen in hoher Varianz. Die Daten rund um all diese Bestellungen müssen jederzeit der Realität entsprechen. Etwas nur halb richtig zu machen, geht heute nicht mehr, und es passt nicht zu dieser Transition."

Sie sagen: "Die Daten müssen der Realität entsprechen". Warum finden Sie das so wichtig?

"Wenn die Zahl der Bestellungen und ihre Varianz zunimmt, nimmt gleichzeitig die Beherrschbarkeit ab. Um uns darauf einstellen zu können, müssen wir einen anderen Weg beschreiten, damit alles skalierbar bleibt und nicht zu teuer wird. Wenn man sich andere große Plattformen wie Bol.com, Coolblue und Amazon darauf ansieht, sieht man gleich, dass alles an den Bestellungen und den dahinter liegenden Daten hängt. Wir müssen vom Telefon, von den E-Mails und den Apps weg kommen. Und damit meine ich die normale, tägliche Bestellkorrespondenz. Wir müssen die Beziehungen zwischen Gärtnern, Käufern und Endkunden verstetigen und für einen besseren Kontakt und eine bessere Kooperation sorgen. Das bedeutet auch, dass die Rolle von Verkäufern, Einkäufern und Back-Office sich ändert und dass neue Funktionen entstehen. Das Floriday-Konzept wird von Plantform begrüßt, und Plantform steht voll dahinter. Es freut uns zu sehen, dass das immer mehr Gestalt gewinnt und dass immer mehr Gärtnereibetriebe bei den Entwicklungen rund um die Digitalisierung und Floriday wirklich mitmachen wollen. Gleichzeitig ist das Tempo, mit dem das geschieht, enorm hoch und sehr ehrgeizig."

Jos ten Have, Gärtner und Plantform-Vorsitzender, schließt sich dem an. "Wir müssen wegen des Zeitdrucks Maßnahmen treffen, um den Übergang zu erleichtern. Ein Beispiel dafür ist der Einkaufstipp. Dieser bedeutet, dass wir als Gärtner auf der Basis von Telefonanrufen Bestellanfragen digital vorbereiten können, die der Kunde digital bestätigen kann. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt notwendig, um alle mitzunehmen, aber es ist natürlich Mehrarbeit für die Gärtner, und auch das Fehlerrisiko bleibt hoch. Wir müssen deshalb dafür sorgen, dass Maßnahmen dieser Art wirklich vorübergehend sind. "

Ganz klar! Und auf welche Weise unterstützt Plantform dieses Ziel?

"Dieser Digitalisierungsschritt muss kommen, das ist klar. Ich habe gemeinsam mit Jefry van den Hoeven nachgedacht, wie die Kooperation zwischen Floriday und Plantform aussehen kann, sodass sie für die Plantform-Mitglieder und für Floriday nützlich ist. Daraus ist die Pilotgruppe 100 % digital entstanden. Sie verfolgt das Ziel, bis zum 1. Juli 2020 mit einigen ausgewählten Kunden nach dem Prinzip 100 % digital über Floriday zu arbeiten. Diese Pionier-Gartenbaubetriebe können dann zeigen, was damit alles möglich ist, sodass andere Betriebe sich daran ein Beispiel nehmen können."

Natürlich funktioniert eine Best Practice immer am besten. Zu welchen Vorteilen wird 100 % digital nach Ihrer Meinung führen?

"Zuallererst zu einem enormen Effizienzgewinn. Die Anzahl der nötigen Einzelschritte wird enorm abnehmen, wodurch die Gärtner viel Zeit sparen und diese Zeit und Energie in andere Aspekte investieren können. Außerdem erreichen wir mit 100 % digital ein großes Plus an Zuverlässigkeit in der gesamten Branche."

Neben den Vorteilen gibt es natürlich auch immer Herausforderungen. Worin liegt nach Ihrer Meinung die größte Herausforderung?

"100 % digital ist ein ehrgeiziges Ziel, aber langfristig ist es realistisch. 100 % digital erfordert eine organisatorische Änderung und eine Verhaltensanpassung sowohl bei den Käufern als auch bei den Gärtnern. Das online gestellte Angebot muss ganz genau stimmen. Gekauft gleich geliefert, so einfach ist das. Sie bekommen das, was Sie tatsächlich bestellt haben, wodurch die Genauigkeit und die Zuverlässigkeit steigen werden. In einer Zeit knapper Mittel ist das spannend, muss gut organisiert werden und erfordert eine klare Fokussierung. Die Branche muss bei dieser Transition auch mitmachen, und ich meine, dass das durch das Commitment der Plantform-Betriebe, die Kommunikation und die Informationen immer mehr konkrete Gestalt annimmt."

Daran arbeiten wir ja alle gemeinsam! Was ist Ihre Meinung zur Stärke der Genossenschaft bei dieser digitalen Transition?

"Innerhalb der Branche ist Royal FloraHolland genau das Unternehmen, das in der Lage sein müsste, eine effiziente und vollständige digitale Handelsplattform zu schaffen. Die Genossenschaft ist mit der Einführung und Weiterentwicklung von Floriday vollauf beschäftigt. Da die Uhr immer weniger Bedeutung hat, muss es eine starke und professionelle Plattform geben, auf der Gärtner und Käufer für den Direkthandel zusammentreffen können. Es ist sehr gut, dass dies aus der Genossenschaft heraus entstanden ist. Es ist von strategischer Bedeutung, dass diese Plattform in den Händen und im Einflussbereich der Gärtnereibetriebe verbleibt."


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